Appell an die Eliten

An die Geld-Eliten

Muss man damit beginnen, um es den Eliten um die Ohren zu reiben, dass sie aufwachen und sich kümmern: mit dem dritten Massaker an unschuldigen Menschen innerhalb von drei Monaten, diesmal wieder an einer Schule in den USA: „Diesmal trifft es eine Highschool in Parkland, Florida. Der 19 Jahre alte Ex-Schüler Nikolas Cruz tötet hier am Valentinstag mit einem halbautomatischen Gewehr 17 Menschen, zumeist Schüler, viele weitere werden verletzt“, berichtet der Spiegel online. Und: „Es ist bereits der dritte schwere Angriff dieser Art innerhalb weniger Monate: Im Oktober starben 49 Menschen bei einem Konzert auf dem Las-Vegas-Boulevard, im November tötete ein Mann 26 Kirchgänger im texanischen Sutherland Springs.“

Was ist eigentlich alles falsch in einem Land, in dem so etwas möglich ist? Jahr um Jahr, Monat um Monat? Ist es ein „Mental Health Issue“, wie der Fernseh-Moderator Jimmy Kimmel es in seiner bewegenden Stellungnahme am 15.02. nannte? Wird dieses Land eigentlich von Menschen regiert? Oder von Algorithmen? Ist dieses Land eine Demokratie, in der die Menschen das Recht haben, ihre Regierung zu wählen, und sie nach vier Jahren wieder abzuwählen, wenn sie es nicht geschafft hat, dem Land Wohlstand, äußeren und inneren Frieden und eine stabile Ordnung der Lebensverhältnisse zu schaffen? Wie kann es sein, dass die über 320 Millionen Menschen der USA es nicht fertig bringen, diesen grauenhaften Ereignissen ein Ende zu machen? Sind sie zu dumm, oder sind sie so verroht, dass ihnen oder zu vielen von ihnen das gleichgültig ist? Was hieße das wiederum über dieses Land?

Der Bericht des Spiegel online wartet mit weiteren bemerkenswerten Zahlen auf: „Nach jüngsten Berechnungen der ‚New York Times‘ stellen Amerikaner etwa 4,4 Prozent der Weltbevölkerung, ihnen gehören inzwischen aber 42 Prozent aller Waffen auf der Erde.“ Und, tatsächlich nicht überraschend, führt dies nicht etwa zu mehr Sicherheit, wie die Waffenlobby nach jedem neuen derartigen Massaker behauptet, sondern dazu, dass sie immer häufiger werden: „2017 war in dieser Hinsicht das blutigste Jahr in der jüngeren US-Geschichte: Es gab insgesamt 345 Angriffe. So hat sich eine tödliche Routine entwickelt, viele der ‚kleineren‘ Zwischenfälle mit vier oder fünf Opfern sind den großen Zeitungen und TV-Sendern kaum mehr längere Meldungen wert.“

Das „Gun Violence Archive“, eine Organisation, die über den Umfang der Zwischenfälle durch Schusswaffengebrauch in des USA Statistiken führt, hat für das erst sechs Wochen alte Jahr 2018 schon unglaubliche 1.859 Todesfälle registriert, bei 6.738 Vorfällen. Für das Jahr 2017 hat die Organisation 15.590 durch Schusswaffengebrauch zu Tode gekommene Menschen gezählt.

Was muss man von einem Land, seinen Menschen, seinen Regierungen, seinen Eliten denken, in dem so etwas möglich ist? Macht man sich eigentlich genügend klar, was das bedeutet? Wegen jedes Dissidenten in China oder Russland, wegen der Pussy-Riot-Mädchen oder Ai Weiwei in China hat die halbe Welt das innigste Mitgefühl, und alle Nachrichtenkanäle quellen davon über, aber diese schauerliche Routine der wahllosen Massenmorde in den USA lässt die Welt kalt, sobald die Welle der „Prayers“, der Beileids- und Mitgefühlsbekundungen und Erklärungen zur ganz ausnahmsweise gestörten Psyche des abartigen Einzeltäters abgeebbt ist.

Warum wird so ein Land, warum wird seine Führung nicht genauso behandelt, genauso geächtet wie man glaubt es mit der der politischen und gesellschaftlichen Führung der Russen oder der Chinesen praktizieren zu müssen? Warum setzt man sich mit solchen Menschen an einen Tisch, und prostet ihnen zu, mit einem freundlichen Lächeln? Man stelle sich vor, eine Familie erlaubt ihren halbwüchsigen Kindern, Schusswaffen zu besitzen, und es kommt zu Todesfällen. Und die Eltern weigern sich, den Kindern die Waffen wegzunehmen. Was würde man sagen? OK, das ist ihr gutes Recht? Wir wollen den Familienfrieden nicht stören? Und übrigens, wir sehen Euch doch bei der nächsten Gartenparty? Und sagt Euren Kindern, sie sollen nicht ganz so laut sein beim Ballern? Ja, sie sind halt Waffennarren, aber sonst sehr nett..?

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Elitenverwahrlosung, Nullzinsen und die neue Sicherheitsstrategie

In seinem Handelsblatt Morning-Briefing vom 30.01. schildert Gabor Steingart die haarsträubenden Hintergründe dieser neuesten Dimension des VW-Abgasskandals, des „Diesel-Gates“. VW hat an Tier- und zeitweilig sogar an Menschenversuchen die Gefährlichkeit der Abgasbelastung von Dieselabgasen testen lassen. Dem Dieseluntersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages lagen Berichte darüber vor, und dem ist es egal. Albrecht Müller von den Nachdenkseiten teilt Steingarts Empörung: „Der Herausgeber des Handelsblatts hat den Nagel auf den Kopf getroffen: Er nennt die Tests der Abgasbelastung an Affen und die damit einhergehende Kommentierung bzw. Ignoranz bei Wissenschaftlern, Wirtschaftsführern und Politikern eine Elitenverwahrlosung.“

Vor einigen Jahren erschien Steingarts Buch mit dem schönen Titel „Bastardökonomie“, das sein Verlag mit folgenden Worten ankündigt: „Nach der Krise ist vor der Krise. Vor einem staunenden Publikum türmen sich die Milliarden zu Billionen: Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld? Kaum jemand kann noch verstehen, was mit unserer Wirtschaft los ist. Es geht uns gut, aber wir sind besorgt. Wir exportieren fleißig, aber die Verschuldung steigt. Wir helfen in Südeuropa, doch die Lage spitzt sich weiter zu. Wir tanzen in den Tempeln des Konsums und wissen längst, dass es so nicht weitergehen kann.“

Was ist mit unserer Wirtschaft, und was ist mit unseren Eliten los?

Was ist mit unserer Wirtschaft los – wir überschütten uns gegenseitig mit den Erzeugnissen unserer fleissig arbeitenden Ökonomien, und hoffen sie losschlagen zu können. Grosse Empörung löste die Idee Donald Trumps aus, die amerikanische Wirtschaft abschotten zu wollen, damit sich nicht Elendsbilder wie verfallende Stadtteile und Hochhäuser in Detriot, oder Zeltstädte in Los Angeles in Amerika ausbreiten. Das ist Protektionismus! Amerika soll doch einfach selber bessere Autos bauen. Dann sieht man die Elendsbilder woanders.

US-Konzerne, denen es nicht so schlecht geht, lagern ihr Geld lieber im Ausland, wie zum Beispiel Apple. Apples Geldreserven betrugen Ende September 268,9 Milliarden Dollar. Davon lagerten 94 Prozent außerhalb der USA, schrieb der FOCUS im Januar. Man muss ihnen großzügige Steuergeschenke machen, um sie dazu zu bewegen, doch wenigstens einen Teil dieses Geldes dem „Homeland“, den eigenen notleidenden Landsleuten zur Verfügung stellen, statt es weiter vollkommen ungenutzt aus Offshore-Konten liegen zu lassen. Was ist mit unseren Eliten los? „Elitenverwahrlosung, Nullzinsen und die neue Sicherheitsstrategie“ weiterlesen