Carneval is over, bald

Ein flammendes Plädoyer für Freiheit und Autonomie in der FAZ, gegen einen „Versuch einer Programmierung des Denkens und der Gesellschaft“ – so etwas hätte jemand aus meiner Generation in langjähriger Kenntnis der traditionell konservativ-wirtschaftsfreundlichen Haltung der FAZ nicht erwartet. Und in diesem Wertekanon standen Freiheit und Autonomie nicht so weit oben – sofern es eben nicht um die Freiheit der Wirtschaft ging, also Freiheit im Sinne der ungehinderten unternehmerischen Entfaltung, vor allem mit Blick auf die ungehinderte Investitionsgeneigtheit. Die kann aber mit der Freiheit im Sinne von Autonomie, Persönlichkeitsrechten und Menschenwürde durchaus in Konflikt geraten.

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Deflation, Stagnation, Revolution… ja welche denn?

Aktuell warnt der SPON vor der Gefahr einer Deflation, auf die IWF-Chefin Lagrande hinweist, und an die die Deutschen nicht glauben wollen, denn das gab’s doch noch nie:

Auf „Telepolis“, einem bekannt umtriebigen Netzorgan, hat vor einigen Tagen der unermüdliche Krisenprophet Tomasz Konicz wieder einmal die gegenwärtig sich anbahnende Systemkrise erläutert: Aufwachen im Blasenland.

Man dürfte den obigen SPON-Artikel als Bestätigung der Beobachtungen Koniczs werten, der ja nun nicht erst seit vorgestern auf diese Entwicklungen hinweist. Wenn ich mich recht entsinne, hat er auch die Immobilienkrise prophezeit.

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CeBIT 2014

Bald ist wieder die CeBIT fällig, 10. – 14. März, Hannover.

Eines der grossen Themen wird Industrie 4.0 sein, und ein Keynote-Speaker dazu August-Wilhelm Scheer, einer der früheren „Päbste“ der deutschen Wirtschaftsinformatik. Während es in den meisten Fällen so war, dass die Wissenschaft vom Vorzeigeunternehmen der deutschen Informatik SAP gelernt hat, darf Scheer sich rühmen, zur Gestaltung des riesigen SAP-Softwarepakets einige wichtige Impulse geliefert zu haben, zum Beispiel sein ARIS-Tool zur Prozessgestaltung und -dokumentation.

Scheer war mir immer auch deshalb sympathisch, weil er auch Musiker ist. Er geht – als Milliarden schwerer Unternehmer und wissenschaftliche Koryphäe – mit professionellen Musikern auf Tournee, stellt sich in kleinen Not leidenden Jazzklubs vor das Publikum, und bläst die Backen auf… er spielt Saxophon (unter uns gesagt: man hört schon dass er kein Profi ist..). Aber diese Leidenschaft für eine Sache, um ihrer selbst willen, finde ich beeindruckend.

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Alles wird anders!

Freundlicherweise wurde mir vom Arbeitskreis Digitale Gesellschaft der SPD Schleswig-Holstein Platz eingeräumt, einige Gedanken zu „meinem“ Thema Digitale Fabrikation einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Nachdem sich das gefühlte Stimmungsbarometer der gesellschaftlichen Wirklichkeit offenbar allmählich dem Level Apokalypse jetzt anzunähern scheint, gibt es vielleicht einen Grund mehr, sich auch – noch – realitätsfern erscheinende Lösungsansätze einmal genauer anzuschaun.

Alles wird anders.

Der Artikel ist auch im D64-Ticker erwähnt worden.

Neue Produktionsmittel: Versuch einer marxschen Deutung

Die Begriffe Tauschwert und Gebrauchswert gibt es schon in der Aristotelischen Ökonomie. Aristoteles grenzte die Ökonomik als „natürliche Erwerbskunst“ von der Chrematistik ab, einer „unnatürlichen“ Wirtschaftskunst, in der es darum geht, Geld zu vermehren. In der Ökonomik geht also um die Herstellung, unter Umständen auch den Tausch, von Gebrauchswerten. Der wichtigste Ort der Entstehung von Gebrauchswerten war der Oikos, das Haus oder Gehöft, also ein landwirtschaftlicher Betrieb, der soweit wie möglich autark war. Aristoteles war der Überzeugung, dass der Reichtum an Gebrauchswerten nicht unendlich sein kann, während der Geldreichtum aber sehr wohl unendlich sein kann. Insoweit darf man behaupten, dass wichtige Lehrsätze auch der marxschen Ökonomie schon in der Aristotelischen Ökonomik vorkommen. Welche Rolle spielen nun der „Oikos“, die Autarkie, die ja zu Aristoteles Zeiten nur durch Sklavenarbeit möglich war, und welche Rolle könnten in diesem Sinne ganz neue, universale, im „Oikos“, im heutigen modernen Haushalt verwendbare Produktionsmittel spielen?

Hier ein Versuch, dazu einige Antworten zu geben: Widerspruch mit Auflösung (PDF).

Widerspruch mit Auflösung – AK POLÖK

Studien zur nächsten Gesellschaft

„Studien zur nächsten Gesellschaft“ fiel mir vor einiger Zeit die Hände, ein Buch von Dirk Baecker, der sich als Professor für Soziologie an der Zeppelin-Universität sein Brot verdient; das Buch ist erschienen bei Suhrkamp. Wer etwa so alt ist wie ich, dem würde beides, die ehrenvolle Professur und der ehrenvolle Buchdeckel der Suhrkamp-Taschenbücher Wissenschaft, als Garant gelten, dass sich zwischen diesen Buchdeckeln wichtige und wertvolle Weisheiten befinden. Und dann noch zu diesem unübertrefflich wichtigen Thema unserer Zeit: die nächste Gesellschaft. Wenn das nicht ein Grund ist dieses Buch sofort zu kaufen.

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NSA, Edward Snowden und Digitale Fabrikation

Was haben Snowden, Prism, Tempora und NSA mit Digitaler Fabrikation zu tun?

Edward Snowden ist gegenwärtig sicherlich einer der meist zitierten Namen der Welt. Snowden hat bekannt gemacht, dass die USA und die Briten die Welt ausspionieren, mehr oder weniger jeder Mensch, jede Bewegung oder Äußerung im Netz oder auch per Telefon kann beobachtet, mitgehört oder –gelesen und irgendwo aufgezeichnet und gespeichert werden. Heimlich, ohne dass es einer Begründung bedürfte, ohne dass jemand Auskunft darüber verlangen könnte was über ihn gespeichert worden ist.

Warum wird das gemacht, warum werden Unsummen ausgegeben, um diese Art von Informationen über das Privatleben oder über interne Kommunikationen politischer Institutionen verfügbar zu machen? Der erklärte Grund ist immer die Terrorabwehr oder –bekämpfung. Aber glaubt das noch ein Mensch? Warum werden dann Büros der Europäischen Gemeinschaft bespitzelt, in Brüssel oder am Sitz der UN? Warum dieses gigantische Ausmaß an Bespitzelung, warum diese vollkommene Rechtlosigkeit der Bespitzelten, die vollkommen uneingeschränkte Willkür und rechtstaatliche Isolation dieser Maßnahmen?

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Digital Fabrication – Challenging The Economy?

Introduction

Any introduction into macroeconomics since its existence as the classic national economy counts among its base assumptions and basic terms, for example, the shortage of economic goods, the production factors of soil, labour and capital (as machines and buildings), interoffice and intercompany, as well as intergovernmental division of labour, trade of goods and services, as well as the barter and monetised economy based hereupon. What would change, in the real economy as well as in the macroeconomics observing it, if instead of the proverbial industrial factory with smoke stacks as the typical means of production of the industrialised society, there now were small, cheap, all-purpose “desk top factories” (cf. Vilbrandt et al 2008: 259–284), allowing anybody to make arbitrary high-quality consumer goods themselves, usable without limitations and adaptable to the individual user preferences? This would then allow any consumer to satisfy any of their consumer desires – with top quality goods, objects or devices, in every respect completely functional, produced with an economically justifiable amount of energy and raw materials, and within a completely satisfactory production time?

Prima facie two things appear quite obvious in this context: a) economic consequences would be hardly foreseeable, they would refashion the innermost and oldest principles and laws of economic science, and economic events at its deepest core and at its root, and would, in this sense, be truly revolutionary; as well as equally obvious but also b): such perfect small, cheap and universal fabrication equipment doesn’t (yet) exist.

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Wert und Werte

Dinge, privatisierbare Güter, haben einen Wert oder können einen Wert haben, nämlich dann, wenn es mindestens einen Menschen gibt, der so ein Ding, ein Gut, in seinen Besitz bringen oder es dort haben will, oder wenn man zumindest annehmen kann dass es Menschen gibt die so ein Ding in Besitz haben wollten; und weil es dieser werten oder bewertbaren Dinge viele gibt, gibt es Wert auch im Plural: all diese gezählten und ungezählten begehrten Dinge und Güter, Leistungen, Materialien und Stoffe gehen (jedenfalls in hochentwickelten Volkswirtschaften mit einem ebenso hoch entwickelten Geldsystem) in die Bilanzen der Unternehmen und das Sozialprodukt der Volkswirtschaften ein, und bilden sozusagen den stofflichen Gehalt des Wohlstands der Menschen.

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