Leibniz, Babbage, Turing und Zuse haben die theoretischen und technologischen Grundlagen der Informatik und ihrer Anwendungen geschaffen. Mit der in wenigen Jahrzehnten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts abgelaufenen Entwicklung vom Großrechner über den Personal Computer und einer globalen technischen Vernetzung (Internet) und parallel zu unterschiedlichen Formen dezentraler künstlicher Intelligenz in Maschinen (z. B. Autos) bis hin zum „Drucker“ als potenzieller universeller Produktionsmaschine ist eine technologische Revolution eingeleitet worden, die inzwischen weit vorangeschritten ist, ohne ihr Veränderungspotenzial schon erschöpft zu haben.

Wenn sich diese digitale Druckertechnologie – das heutige Novum – weiter bis zur Praxisreife entwickeln sollte, was wahrscheinlich ist, dann ist es zu erwarten, dass sich aus einer solchen digitalen Produktion ein weiterer bedeutender gesellschaftlicher Wandel ergeben wird.

Diese „Drucker“ könnten, sofern für sie die stoffliche Basis gesichert werden kann, eine dezentrale Produktion durch die Konsumenten selbst ermöglichen, wobei die Konzepte (Pläne, Blaupausen) der zu produzierenden Güter in digitaler Form vorlägen und überall und jederzeit verfügbar wären. Wären sie, wofür der Autor plädiert, als öffentliches Gut verfügbar, dann wäre eine nicht durch Märkte vermittelte, dezentrale Produktion denkbar, die direkt an die Konsumentenbedürfnisse anschlösse. Transportiert werden müssten dann nur noch die Basisstoffe dieser digitalen Produktion.

Unklar bleibt jedoch, ob und in welcher Art und Weise von dieser Mutation der Produktivkräfte auch die Produktionsverhältnisse berührt oder gar verändert werden würden. Eigengewicht und Sperrklinkenwirkung etablierter Eigentums-, Macht- und Rechtsverhältnisse sollten nicht unterschätzt werden. Die Etablierung des Internets mit seinem digitalen Wissen als öffentliches – und nicht als privates – Gut mag wünschenswert sein. Von alleine durchsetzen wird es sich, wie die laufenden Konflikte um Privatisierung und Rekommunalisierung beispielhaft zeigen, wohl nicht. Es geht daher nicht zuletzt um Machtpolitik im Kontext der Frage nach den derzeitigen Produktionsverhältnissen überhaupt.

Günther Buchholz

Prof. Dr. Günther Buchholz ist Professor emeritus für Volkswirtschaftslehre der HSH Hannover

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.