Wirklicher Reichtum

Mein neues Buch heißt:

Wirklicher Reichtum. Die Vollendung einer Idee.

Der Marxismus ist entstanden als philosophisches Projekt; als Bemühen um das Verständnis der Möglichkeiten, die in der Welt und den Menschen angelegt sind, und dies aus einer Perspektive, die die Sicht, das Erkenntnisinteresse und die Kompetenzen der Fachwissenschaften überschreitet. Der Kern der Marxschen Idee liegt darin, dass er wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnungen nicht aus der Sicht desjenigen beschreibt, der in ihnen überleben, sie zu seinem Vorteil nutzen oder sie möglicherweise auch gestalten will, sondern sie „sub specie aeternitatis“, aus einer Epochen und Interessen übergreifenden Totalperspektive beschreibt; sie also als veränderliche, werdende und vergehende verstanden hat, und die Bedingungen ihrer Entstehung und ihres Vergehens entziffert, die die Entwicklung nach einer inneren Logik – wie naturgesetzlich – entfaltet, die jeweils eine neue „höhere“ Stufe der Ordnung hervorbringt.

Er hat sichtbar gemacht, dass die Epochen und auch die Epoche des Kapitalismus wesentlich durch die Technik bestimmt sind, also durch die „Mittel zur Bearbeitung des Naturstoffs“, die ihr zur Verfügung stehen; die Entwicklung des Kapitalismus ist ablesbar in der Entwicklung der technischen Mittel, die er zur Produktion der „ungeheuren Warensammlung“ nutzen kann, und die seinen Reichtum ausmachen. Es ist im Kern die „automatische Maschine“, der „riesige Automat“, in dessen Begriff das Schicksal des Kapitalismus sich zuspitzt und entscheidet: Die Tendenz des Kapitalismus, die Menschenarbeit unaufhörlich durch Maschinenarbeit zu ersetzen, wird eines Tages „das Problem der Produktion“ lösen, seine Ordnung aber im selben Moment degenerieren und funktionsunfähig werden lassen.

Was Marx mehr ahnte als wusste war dies: wenn Güter und Dienstleistungen von Automaten („Robotern“) nahezu kostenlos verfügbar gemacht werden können, verlieren die Institutionen des Kapitalismus (Märkte, Eigentum, Preise, Kapital, Unternehmen) ihr Potenzial, Ordnung zu schaffen; der Kapitalismus kann nur mit knappen Gütern „umgehen“. Wenn sie aber (fast) kostenlos verfügbar gemacht werden, entsteht unproduktives Chaos – Marx konnte dies nur als „in die Luft sprengen“ der bürgerlichen Gesellschaft erfassen und beschreiben.

Das „Problem der Produktion“ könnte man oberflächlich für gelöst halten – wie Adair Turner in seinem Entwurf eines „Capitalism in the Age of Robots“ es tut -, wenn die Produktion von „Robotern“ erledigt wird. Aber das Problem der Allokation der Güter ist damit noch nicht gelöst; es entsteht keine stabile Ordnung, die klar und effizient festlegen kann, was für wen in welchen Mengen wann produziert werden soll, denn diese Aufgabe können Märkte und Preise nicht mehr erfüllen, wenn die Preise sich an der Nullgrenze bewegen, und die Menschen keine Beschäftigung und keine Kaufkraft mehr besitzen. Sie müssen also irgendwie zu Eignern und Nutzern der Produktionsmittel werden können – ohne dass sie aber dadurch „zu ihren eigenen Kapitalisten“ werden. Wie ist das möglich?

Marx konnte die Fabrik als einen „riesigen Automaten“ nur so weit auf ihren „härtesten Begriff“ bringen, ihre inhärenten – markt-rationalen – Tendenzen nur so weit dechiffrieren, dass erkennbar wurde, dass sie eines Tages genau die marktrationale kapitalistische Ordnung auflöst und Chaos erzeugt, indem sie die Arbeit der Menschen immer mehr ersetzt; sie werde so also „die bürgerliche Gesellschaft in die Luft sprengen“. Er konnte aber nicht erkennen und nicht sichtbar werden lassen, was aus dem Pulverdampf der Sprengung dann wie Phönix aus der Asche aufsteigen werde.

Das Problem der Produktion ist tatsächlich erst dann gelöst, wenn gleichzeitig auch das Problem der Güter- und Faktorallokation gelöst ist. Wie das möglich ist, wird erst heute mehr und mehr sichtbar. Damit wird die Fabrik als „riesiger Automat“ nun so weit dechiffrierbar und ihr „härtester Begriff“ so weit formulierbar, dass auch erkennbar wird, welche höhere Ordnung der „bürgerlichen Gesellschaft“ nachfolgen wird.

Damit erst wird es möglich, die Idee des Marxismus zu vollenden. Und es ist gewissermaßen die Geschichte selbst, die sich hier vollendet.

Aus der Einleitung:

Im Grunde ist die ganze Idee sehr einfach. Die ungeheure Warensammlung, die den Reichtum der kapitalistischen Produktionsweise ausmacht, wächst mit dem technischen Fortschritt, bis sie nicht mehr wachsen kann – weil die Menschen, in der Reihenfolge der Einkommensklassen von oben nach unten, lieber ihr Geld vermehren wollen, als Konsumgüter aufzuhäufen. Die Reichsten, die schon alles haben, haben dann nur noch von einem nie genug: vom Geld. Und bald sammelt und konzentriert sich das Geld in ungeheuren Massen, und wird gefräßig wie ein schwarzes Loch.

Der technische Fortschritt beginnt aber nun, sich zu wandeln, ganz unbemerkt und hinter dem Rücken der Akteure. Er tritt ein in eine Metamorphose, an deren Ende die Maschinerie plötzlich keine Waren mehr ausspuckt, die in alle Ewigkeit zu immer mehr Geld werden sollen, sondern direkt die Dinge, um die es ja eigentlich geht: die Sachen, die Güter, die uns zur Verfügung stehen, und die unseren Reichtum ausmachen. Dann beginnen „nimmermüde intelligente Maschinen den Volkswohlstand zu erwirtschaften“ – der bald nicht mehr in Geld zu bemessen ist .

Wenn diese Sachen – die Gebrauchswerte – in die Hände der Menschen gelangen können, ohne sich vorher auf Märkten in Geld zu verwandeln, ist die Ära des Kapitalismus vorüber, und er hat seine Schuldigkeit getan. Die Fabriken mit ihren nimmermüden Maschinen – die dann programmierbare Automaten sind – müssen dazu der Gesellschaft als Ganzer gehören, dem ganzen Volk, dem Staat oder geeigneten öffentlichen Institutionen; sie müssen jedenfalls von diesen genutzt und gemanaged werden.

Und sie werden dann keine Waren mehr produzieren. Wie das zu schaffen ist, liegt mehr in der Natur dieser verwandelten Maschinerie, als in der gewandelten Natur der Menschen, die offenbar, trotz allen kulturellen Vor- und Rückschritts, einfach immer bleiben will, wie sie ist. Der verwandelten Maschinerie ist der Fortschritt der letzten zweihundert Jah-re jedenfalls ziemlich deutlich anzusehen, ganz im Gegensatz zu dem in der Menschennatur.

Zu dieser einfachen Sache muss man sich nun vorarbeiten. Dann beginnt man bei der Oberfläche der Erscheinungen, an der sichtbar wird, wie weit runtergekommen der – so nennt man ihn wieder – Kapitalismus schon ist, wenn er sich seinen letzten Tagen annähert, und seine neue Gestalt und Funktion noch nicht finden kann.

Und hat Ideen, und Vermutungen, und stellt Fragen.

Arbeitsmittel und ihre ökonomischen Epochen

Worum geht es in der Geschichte, einmal mit einem Horizont von vielleicht 10.000 Jahren betrachtet, also von den ersten Werkzeug benutzenden Kulturen des „tool making animal“, bis heute? Wie, welchen Fortschrittskriterien folgend, und wodurch ändern sich die Epochen?

Das ist das Resümee meines Buches „Die Große Digitalmaschinerie“.

Arbeitsmittel und ihre Epochen

Elitenverwahrlosung, Nullzinsen und die neue Sicherheitsstrategie

In seinem Handelsblatt Morning-Briefing vom 30.01. schildert Gabor Steingart die haarsträubenden Hintergründe dieser neuesten Dimension des VW-Abgasskandals, des „Diesel-Gates“. VW hat an Tier- und zeitweilig sogar an Menschenversuchen die Gefährlichkeit der Abgasbelastung von Dieselabgasen testen lassen. Dem Dieseluntersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages lagen Berichte darüber vor, und dem ist es egal. Albrecht Müller von den Nachdenkseiten teilt Steingarts Empörung: „Der Herausgeber des Handelsblatts hat den Nagel auf den Kopf getroffen: Er nennt die Tests der Abgasbelastung an Affen und die damit einhergehende Kommentierung bzw. Ignoranz bei Wissenschaftlern, Wirtschaftsführern und Politikern eine Elitenverwahrlosung.“

Vor einigen Jahren erschien Steingarts Buch mit dem schönen Titel „Bastardökonomie“, das sein Verlag mit folgenden Worten ankündigt: „Nach der Krise ist vor der Krise. Vor einem staunenden Publikum türmen sich die Milliarden zu Billionen: Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld? Kaum jemand kann noch verstehen, was mit unserer Wirtschaft los ist. Es geht uns gut, aber wir sind besorgt. Wir exportieren fleißig, aber die Verschuldung steigt. Wir helfen in Südeuropa, doch die Lage spitzt sich weiter zu. Wir tanzen in den Tempeln des Konsums und wissen längst, dass es so nicht weitergehen kann.“

Was ist mit unserer Wirtschaft, und was ist mit unseren Eliten los?

Was ist mit unserer Wirtschaft los – wir überschütten uns gegenseitig mit den Erzeugnissen unserer fleissig arbeitenden Ökonomien, und hoffen sie losschlagen zu können. Grosse Empörung löste die Idee Donald Trumps aus, die amerikanische Wirtschaft abschotten zu wollen, damit sich nicht Elendsbilder wie verfallende Stadtteile und Hochhäuser in Detriot, oder Zeltstädte in Los Angeles in Amerika ausbreiten. Das ist Protektionismus! Amerika soll doch einfach selber bessere Autos bauen. Dann sieht man die Elendsbilder woanders.

US-Konzerne, denen es nicht so schlecht geht, lagern ihr Geld lieber im Ausland, wie zum Beispiel Apple. Apples Geldreserven betrugen Ende September 268,9 Milliarden Dollar. Davon lagerten 94 Prozent außerhalb der USA, schrieb der FOCUS im Januar. Man muss ihnen großzügige Steuergeschenke machen, um sie dazu zu bewegen, doch wenigstens einen Teil dieses Geldes dem „Homeland“, den eigenen notleidenden Landsleuten zur Verfügung stellen, statt es weiter vollkommen ungenutzt aus Offshore-Konten liegen zu lassen. Was ist mit unseren Eliten los? „Elitenverwahrlosung, Nullzinsen und die neue Sicherheitsstrategie“ weiterlesen

Vorbereitung für einen Krieg?

Das Programm des Kultursenders ARTE, in dem man lange Zeit echte informative Hintergrunddokumentationen vorfinden konnte, die im Programm von ARD und ZDF entweder in tiefste Nachtstunden oder ganz in den Orkus verbannt worden waren, hat sich nun offenbar auch der Dämonisierung Russlands, mit Vorliebe in der Person Putins, verschrieben. Nach den jammervollen Machwerken vom 16.01. nun dieser Film mit dem Namen Stalingrad, der – natürlich – als Anti-Kriegsfim daherkommt. In einer Kritik in der ZEIT urteilte damals Andreas Kilb: „Joseph Vilsmaiers „Stalingrad“ ist kein Antikriegsfilm, sondern ein Kriegsfilm mit schlechtem Gewissen.“ Warum wird heute im Kulturkanal ARTE dieser Film wieder gezeigt, nach 25 Jahren? Warum dieser Film, der keine Moral hat, wie Kilb urteilte: „… eine Authentizität, die mit drei Tonnen Dynamit produziert wird, ist lächerlich, und eine Moral, die sich häppchenweise über einen Zweieinhalb-Stunden-Film verteilt, verfehlt ihr Ziel. Übrig bleibt ein Landserdrama, das wie die Quersumme aller existierenden Stalingrad-Geschichten wirkt. Denn Vilsmaiers Film hat nicht nur keine Moral, er hat auch keine Perspektive..“.

Alfred Müller von den Nachdenkseiten sieht hier die Vorbereitung eines Kriegs, und wenn man dazu erfährt, dass in Kiew legislative und „moralische“ Vorbereitungen getroffen werden („Russland ist der Agressor“), in den Donbass einzumarschieren, und dass Poroschenko wiederum auf der Münchner Sicherheitskonferenz erscheinen wird, um sich wohl Zustimmung und Rückendeckung zu holen sowie die Sprachregelung zu produzieren, unter der so eine „Operation“ dann der Öffentlichkeit verkauft wird, so verdichtet sich das Bild, und im Zusammenhang mit der gerade erst verkündeten „Nationalen Verteidigungstrategie“ des Weissen Hauses erst recht. Diese Orientierung, diese Ereignisse, diese mediale Begleitmusik verspricht nichts Gutes.

Jeder klar denkende Mensch weiss, dass es keine rationalen Gründe gibt, dass nicht wirklich eine Gefahr droht aus Russland, das ist vollkommen absurd, genauso absurd wie die Kriegslüge Hitler-Deutschlands vom Überfall auf den Sender Gleiwitz. Die wahren Hintergründe für den Drang Nazi-Deutschlands nach Osten lagen damals für jeden sichtbar auf der Hand, und genauso liegen heute die wahren Gründe für den Expansionsdrang der Nato und des diese ja benutzenden US-geführten Westens auf der Hand. Damals war es die „völkische“ Wahnsinnsidee des „Lebensraums im Osten“, den das deutsche Volk brauche, die „arische Herrenrasse“, und heute ist es der „Zugang zu Märkten und Ressourcen“, den die expansionsgierigen und stagnationsgequälten Ökonomien des Westens brauchen, bzw. vor allem deren Kapitalhalter, die verzweifelten Investoren, deren ins Absurde angewachsenen Kapitalmassen keine zufriedenstellenden Renditen mehr generieren können.

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