Postkapitalistisches Manifest

Die Ökonomien der hochindustrialisierten Länder können nicht mehr wachsen, und sie dürfen nicht mehr wachsen.

Wenn wir aber nicht mehr in Richtung Maximierung des Wachstums gehen können, müssen wir in Richtung Maximierung der Automation gehen.

Die Ökonomien müssen dabei stabil sein. Um hochautomatisierten Ökonomien Stabilität zu geben, sind Digitaltechnologien geeignete Mittel.

Der Begriff der Digitalisierung ist einer der in der gegenwärtigen politischen Diskussion meistverwendeten Begriffe. Leider wird die wichtigste Bedeutung dieses Begriffes nicht verstanden. Die wichtigste Bedeutung liegt darin, dass durch die Digitalisierung sehr viele Arbeitsplätze entfallen, aber gleichzeitig die digitalisierte Produktion vergesellschaftet werden kann, und damit der renditeorientierten Verfügungsgewalt der Privatwirtschaft entzogen. Der technische Fortschritt kann dann dazu genutzt werden, dass Güter und Dienstleistungen zu den reinen Herstellungskosten, und damit zu Grenzkosten nahe Null angeboten werden.

Sehr kostengünstige oder sogar kostenlose Produkte oder Dienstleistungen sind dauerhaft nur da möglich, wo sie hoch effizient hergestellt werden, und das heißt vor allem: hochgradig automatisiert. Auf dem Wege von Umverteilungen jeder Art, über Subventionen oder Ähnliches, können günstige Angebote zu Niedrigstpreisen dauerhaft nicht hergestellt werden.

Eine andere Bedingung, neben der technischen, ist die: die Anbieter dürfen keine Privatunternehmen sein, denn die produzieren immer unter Risiko, und müssen langfristig Gewinne realisieren, um ihre Existenz zu sichern, auch wenn sie vielleicht kurzfristig versuchen würden, über Dumpingpreise eine marktbeherrschende Stellung zu erreichen. Aber dann müssen sie zuschlagen: the Winner takes it all.

Die Konsequenz ist also, dass es nur überprivate Unternehmen oder Organisationen sein können, die die technischen Möglichkeiten zur Leistungserstellung bei höchsten Automationsgraden so nutzen, dass sie diese Potenziale über minimale Preise auch an die Verbraucher weitergeben. Ob es staatliche Unternehmen sind, oder ob sie in anderen Rechtsformen geführt werden, ist da nebensächlich. Das Wichtigste ist: nicht privat, nicht renditeorientiert, und nicht im Verdrängungswettbewerb.

Was wäre dann kurz- bis mittelfristig möglich, und was wäre, unabhängig von technischen Möglichkeiten, notwendig:

1. Baufirmen

Es könnte öffentliche oder staatliche Baufirmen entstehen, die die heute bestehenden Möglichkeiten des kostengünstigen Bauens optimal nutzen, und öffentlichen, sehr günstigen Wohnraum herstellen. Gebaut werden könnte auf Grundstücken, die durch Umnutzung ehemaliger Industriebrachen massenhaft entstehen, und günstig erstanden werden können.

2. Möbel und Interieur

Die Fertigungstechnologie ist heute schon so weit, dass Möbel ganz nach individuellem Entwurf hoch automatisiert und damit kostengünstig hergestellt werden können. Überprivate Möbelhersteller könnten dezentral in der Nähe vieler Wohngebiete angesiedelt sein, und die digitalen Möbeldesigns von Möbeldesignern herstellen, die ein Kunde nach Bedarf anpassen kann, und dann zur Fertigung in Auftrag gibt. Kostensenkungspotenziale könnten dadurch entstehen, dass die Fertiger Zukaufteile und Rohmaterial in Massen einkaufen und vorfertigen lassen. Trotzdem sind individuelle und vielfältige Designs möglich, und dies zu minimalen Preisen.

3. Kleidung und Textilien

Hier ist die Fertigungstechnologie ebenfalls so weit, dass Textilien auf Anforderung als maschinelle Realisierung digitaler Designs hochgradig automatisiert hergestellt werden können. Die Fertigung in Elendsquartieren in Bangladesh kann entfallen. Der Markt für Billigtextilien muss nicht den bekannten Monopolanbietern überlassen werden.

4. Grundnahrungsmittel

Die Landwirtschaft ist heute hochgradig automatisiert. Statt die Landwirtschaft zunehmend internationalen Investoren zu überlassen, die mit industrieller Produktion die Böden ruinieren, kann auf dem neuesten Stand agrarwissenschaftlicher Erkenntnisse und hochautomatisiert ein Grundbedarf an Nahrungsgmitteln erzeugt werden, und etwa im Falle des Brotes von öffentlichen Brotfabriken zu minimalen Preisen hergestellt werden.

5. Öffentlicher Personennahverkehr

Kostenloser Personennahverkehr ist nachhaltig nur dann möglich, wenn das Verkehrsangebot auch sehr kostengünstig hergestellt werden kann. Die wichtigste Voraussetzung dazu sind fahrerlose Fahrzeuge. Auf der Basis autonomer Fahrzeuge kann das Angebot sehr niedrigpreisigen städtischen Personennahverkehrs hergestellt werden.

6. Automobile

Die private Automobilwirtschaft ist an kostengünstigen Automobilen für den privaten Automobilnutzer nicht interessiert, sondern fördert das Image des Automobils als Statussymbol. Ein kostengünstiges Automobil, zu dessen Herstellung alle bestehenden technischen Möglichkeiten optimal ausgenutzt werden, kann deshalb nur von einem überprivaten Hersteller entwickelt, hergestellt und angeboten werden. Auch hier ist die Herstellung auf Anforderung und kundenindividuell in Grenzen schon möglich. Es ist auch die öffentliche Entwicklung von Automobildesigns möglich, die dann hochautomatisiert und kostengünstig hergestellt werden.

7. Telekommunikation

Die ehemals staatlichen Postdienste zu privatisieren hat sich nicht bewährt, und sollte darum rückgängig gemacht werden.

8. Bahn

Die ehemals staatliche Bundesbahn zu privatisieren hat sich nicht bewährt, und sollte darum rückgängig gemacht werden.

9. Lufthansa

Die ehemals staatliche Lufthansa zu privatisieren hat sich nicht bewährt, und sollte darum rückgängig gemacht werden.

10. Stahl, Energie, Rohstoffe

Stahlwerke, die Energieerzeugung sowie die Rohstoffgewinnung sollten nicht in privater Hand sein.

11. Gesundheitswesen

Die Gesundheit sollte unter keinen Umständen zum Gegenstand privaten Profitstrebens werden.

12. Bildung

Schul- und Universitätsausbildung sollten nicht zum Gegenstand privaten Profitstrebens werden.

13. Banken und Versicherungen

Die grössten Banken und Versicherungen sollten nicht von privatem Profitstreben geleitet werden.

14. Schiffahrt, Reedereien

Es sollten zumindest die größten noch benötigten Reedereien nicht in privater Hand sein.

Die generelle Regel sollte die sein: alle Industrien, in denen das Potenzial der Schaffung hoher und höchster Automationsgrade hoch ist, und die von Wichtigkeit für Leben und Wohlstand der Massen sind, sollte der Staat, die Öffentlichkeit von der Privatwirtschaft „erobern“ (wie Schumpeter einst sagte), um zu verhindern, dass in privater Hand die Möglichkeit zur leistungslosen Rentenextraktion entsteht.

In allen anderen Bereichen kann die private Wirtschaft sich entfalten. Überall da, wo qualifizierte, durch Personen und Personengesellschaften und deren Angestellte geleistete Arbeit Werte schafft, können entsprechend hohe Einkommen und Gehälter erwirtschaftet werden.

Appell an die Eliten

An die Geld-Eliten

Muss man damit beginnen, um es den Eliten um die Ohren zu reiben, dass sie aufwachen und sich kümmern: mit dem dritten Massaker an unschuldigen Menschen innerhalb von drei Monaten, diesmal wieder an einer Schule in den USA: „Diesmal trifft es eine Highschool in Parkland, Florida. Der 19 Jahre alte Ex-Schüler Nikolas Cruz tötet hier am Valentinstag mit einem halbautomatischen Gewehr 17 Menschen, zumeist Schüler, viele weitere werden verletzt“, berichtet der Spiegel online. Und: „Es ist bereits der dritte schwere Angriff dieser Art innerhalb weniger Monate: Im Oktober starben 49 Menschen bei einem Konzert auf dem Las-Vegas-Boulevard, im November tötete ein Mann 26 Kirchgänger im texanischen Sutherland Springs.“

Was ist eigentlich alles falsch in einem Land, in dem so etwas möglich ist? Jahr um Jahr, Monat um Monat? Ist es ein „Mental Health Issue“, wie der Fernseh-Moderator Jimmy Kimmel es in seiner bewegenden Stellungnahme am 15.02. nannte? Wird dieses Land eigentlich von Menschen regiert? Oder von Algorithmen? Ist dieses Land eine Demokratie, in der die Menschen das Recht haben, ihre Regierung zu wählen, und sie nach vier Jahren wieder abzuwählen, wenn sie es nicht geschafft hat, dem Land Wohlstand, äußeren und inneren Frieden und eine stabile Ordnung der Lebensverhältnisse zu schaffen? Wie kann es sein, dass die über 320 Millionen Menschen der USA es nicht fertig bringen, diesen grauenhaften Ereignissen ein Ende zu machen? Sind sie zu dumm, oder sind sie so verroht, dass ihnen oder zu vielen von ihnen das gleichgültig ist? Was hieße das wiederum über dieses Land?

Der Bericht des Spiegel online wartet mit weiteren bemerkenswerten Zahlen auf: „Nach jüngsten Berechnungen der ‚New York Times‘ stellen Amerikaner etwa 4,4 Prozent der Weltbevölkerung, ihnen gehören inzwischen aber 42 Prozent aller Waffen auf der Erde.“ Und, tatsächlich nicht überraschend, führt dies nicht etwa zu mehr Sicherheit, wie die Waffenlobby nach jedem neuen derartigen Massaker behauptet, sondern dazu, dass sie immer häufiger werden: „2017 war in dieser Hinsicht das blutigste Jahr in der jüngeren US-Geschichte: Es gab insgesamt 345 Angriffe. So hat sich eine tödliche Routine entwickelt, viele der ‚kleineren‘ Zwischenfälle mit vier oder fünf Opfern sind den großen Zeitungen und TV-Sendern kaum mehr längere Meldungen wert.“

Das „Gun Violence Archive“, eine Organisation, die über den Umfang der Zwischenfälle durch Schusswaffengebrauch in des USA Statistiken führt, hat für das erst sechs Wochen alte Jahr 2018 schon unglaubliche 1.859 Todesfälle registriert, bei 6.738 Vorfällen. Für das Jahr 2017 hat die Organisation 15.590 durch Schusswaffengebrauch zu Tode gekommene Menschen gezählt.

Was muss man von einem Land, seinen Menschen, seinen Regierungen, seinen Eliten denken, in dem so etwas möglich ist? Macht man sich eigentlich genügend klar, was das bedeutet? Wegen jedes Dissidenten in China oder Russland, wegen der Pussy-Riot-Mädchen oder Ai Weiwei in China hat die halbe Welt das innigste Mitgefühl, und alle Nachrichtenkanäle quellen davon über, aber diese schauerliche Routine der wahllosen Massenmorde in den USA lässt die Welt kalt, sobald die Welle der „Prayers“, der Beileids- und Mitgefühlsbekundungen und Erklärungen zur ganz ausnahmsweise gestörten Psyche des abartigen Einzeltäters abgeebbt ist.

Warum wird so ein Land, warum wird seine Führung nicht genauso behandelt, genauso geächtet wie man glaubt es mit der der politischen und gesellschaftlichen Führung der Russen oder der Chinesen praktizieren zu müssen? Warum setzt man sich mit solchen Menschen an einen Tisch, und prostet ihnen zu, mit einem freundlichen Lächeln? Man stelle sich vor, eine Familie erlaubt ihren halbwüchsigen Kindern, Schusswaffen zu besitzen, und es kommt zu Todesfällen. Und die Eltern weigern sich, den Kindern die Waffen wegzunehmen. Was würde man sagen? OK, das ist ihr gutes Recht? Wir wollen den Familienfrieden nicht stören? Und übrigens, wir sehen Euch doch bei der nächsten Gartenparty? Und sagt Euren Kindern, sie sollen nicht ganz so laut sein beim Ballern? Ja, sie sind halt Waffennarren, aber sonst sehr nett..?

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Ach, der Mason

Ein Kommentar zum Beitrag „Zerschlagt die digitalen Monopole!“ von Paul Mason aus den „Blättern“ Nr. 02/2018, der auf der Keynote basiert, die Paul Mason am 3.11.2017 auf der Konferenz „Digitaler Kapitalismus – Revolution oder Hype?“ in Berlin gehalten hat. Die Konferenz wurde von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kooperation unter anderem mit den „Blättern“ veranstaltet. Die Rede richtete sich also auch an die Sozialdemokratie …

Vorbemerkung: Ich mache mich hier ein wenig über Mason lustig. Die Position, von der aus ich das tue und die mir das erlaubt, ist explizit gemacht in meinem Buch „Die Grosse Digitalmaschinerie“.

Ist es auch schon eine Spätfolge des Dschungelcamp?

Wie kann es sein, dass eine so mittelmäßige Wirmüssen-basiertauf-reduziertauf-fixiertauf-Erstsemester-Biertischsuada eine so breite Aufmerksamkeit auf sich zieht? Ist das Publikum schon so träge und blöde geglotzt?

Man möge mir die groben Worte verzeihen. Aber dass ein an Gehalten derartig dünner Aufguss in den „Blättern für Deutsche und Internationale Politik erscheint“, zu deren Herausgebern auch der wortgewaltige Philosoph Jürgen Habermas gehört, muss diesem eigentlich die Suppe gehörig versalzen. Ihm muss es einen Geschmack auf der Zunge hinterlassen wie dem unlängst verstorbenen Paul Bocuse eine Curry-Wurst.

Bei Bocuse entstanden Gerichte als kunstvolle Kompositionen, deren Bestandteile er auswählte aus einem gewaltigen Reservoir aus Geschmäckern und Gerüchen und Konsistenzen, und die er nun so zueinander in Beziehung setzt, dass jedes einzelne Element seine Eigenart behält, und sich in der Entgegensetzung zu einem anderen Element positiv und vielleicht überraschend zur Geltung bringt; das Ganze ist dann mehr als die Summe seiner Teile, eine den Geist erfrischende, erhellende und beglückende Komposition. Die Curry-Wurst aber verrät nicht allzu viel über ihre Bestandteile, ausser der Wurst und dem Curry, sie erzeugt nur ein dumpfes Sattheits- und dennoch Hungergefühl, den Appetit schon auf die nächste Curry-Wurst – grad so wie etwa eine Folge des Dschungelcamp, auf die nächste Folge des Dschungelcamp.

Aber, wie man weiß, hat die Curry-Wurst sich durchgesetzt, und von Paul Bocuse kennt die breite Masse vermutlich nicht einmal mehr den Namen. Irgendetwas muss also dran sein an der Curry-Wurst. Es muss etwas sein an diesen Bestandteilen, das diesen Appetit auslöst. Schauen wir uns also die Bestandteile dieser Musiklehrer-Komposition genauer an. Manches von ihnen erweist sich als richtig und wichtig, manches nicht, und so ist es die Komposition des Ganzen, die, statt zu erhellen, mehr Nebelschwaden und Ratlosigkeit hinterlässt, als klaren Blick und Handlungsfähigkeit und -bereitschaft.

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Kleine Ursache, große Wirkung

Das Thema 3D-Druck, vor einigen Jahren hoch gehyped, ist ein wenig in der Versenkung verschwunden. Es gab so viele flammende Artikel, die die kommende 3. Industrielle Revolution ankündigten, die Fabrik für Jedermann und für Alles auf dem Schreibtisch, und das Verschwinden des Großteils der bisherigen Industrien. Davon ist nicht mehr so sehr die Rede, dafür aber umso mehr von der Digitalisierung. Sogar die CDU hat nun das Thema entdeckt, Unionsfraktionschef Kauder hält es für das Megathema der kommenden Jahre.

Warum nun so sehr die Digitalisierung und nicht mehr die „Desktop Factory“? Nun: Die Digitalisierung ist ein Industrie-Thema. Das heiße und von der Bundesregierung erfundene und vorangetriebene Thema Industrie 4.0 gehört zur Digitalisierung. Die Breitbandausbau gehört zur Digitalisierung, und flächendeckendes und schnelles Internet. Warum wünscht man das – das fördert das Wachstum, man erhofft es sich zumindest. Handel und Logistik laufen zunehmend über das Internet; der Kunde ist für den Lieferanten besser erreichbar und erkennbar, wenn er im Netz eingeloggt ist, er kann ihn gezielter mit Werbung erreichen und ihm direktere Angebote machen. Die Unternehmen können mit der gewandelten Organisation und Infrastruktur gemäß dem Konzept I40 schneller und kundenindividueller produzieren, und erhoffen sich dadurch Umsatz- und Gewinnsteigerungen. Und das ist ohne Zweifel wichtig, so wichtig, dass etwa die Klimaziele für 2020 dafür gekippt werden mussten.

Wealth without Money

Und wo ist der der 3D-Druck geblieben? Einer der Protagonisten war z. B. der britische Ingenieur und Mathematiker Adrain Bowyer, der die RepRap-Bewegung gründete. Seine Idee war der „Self-Replicating-Rapid-Prototyper“, eine Maschine, die sich selbst reproduzieren konnte, und damit nichts Geringeres schaffen würde als Wealth without Money. Diese Ideen sind aus den Schlagzeilen verschwunden.

Ein anderer Protagonist war der Amerikaner Hod Lipson, der die Fab@Home-Bewegung geschaffen hat. Auch an so etwas denkt noch kaum jemand, wenn von Digitalisierung die Rede ist.

Was macht Hod Lipson heute? Er ist an die Columbia-Universität gewechselt, und lehrt nun unter anderem das Fach Digital Fabrication. Da sieht man, dass der 3D-Druck nur einen Teil dieses Faches darstellt; insgesamt geht es um digitale Fabrikationsprozesse, also um die digitale Steuerung von digital steuerbaren Maschinen, wie eben dem 3D-Drucker, dem Laser, der CNC-Maschine, dem 2D-Schneiden von Materialien, und der programmierbaren Montage.

Was ist das Aufregende an der Digitalen Fabrikation?

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Vorbereitung für einen Krieg?

Das Programm des Kultursenders ARTE, in dem man lange Zeit echte informative Hintergrunddokumentationen vorfinden konnte, die im Programm von ARD und ZDF entweder in tiefste Nachtstunden oder ganz in den Orkus verbannt worden waren, hat sich nun offenbar auch der Dämonisierung Russlands, mit Vorliebe in der Person Putins, verschrieben. Nach den jammervollen Machwerken vom 16.01. nun dieser Film mit dem Namen Stalingrad, der – natürlich – als Anti-Kriegsfim daherkommt. In einer Kritik in der ZEIT urteilte damals Andreas Kilb: „Joseph Vilsmaiers „Stalingrad“ ist kein Antikriegsfilm, sondern ein Kriegsfilm mit schlechtem Gewissen.“ Warum wird heute im Kulturkanal ARTE dieser Film wieder gezeigt, nach 25 Jahren? Warum dieser Film, der keine Moral hat, wie Kilb urteilte: „… eine Authentizität, die mit drei Tonnen Dynamit produziert wird, ist lächerlich, und eine Moral, die sich häppchenweise über einen Zweieinhalb-Stunden-Film verteilt, verfehlt ihr Ziel. Übrig bleibt ein Landserdrama, das wie die Quersumme aller existierenden Stalingrad-Geschichten wirkt. Denn Vilsmaiers Film hat nicht nur keine Moral, er hat auch keine Perspektive..“.

Alfred Müller von den Nachdenkseiten sieht hier die Vorbereitung eines Kriegs, und wenn man dazu erfährt, dass in Kiew legislative und „moralische“ Vorbereitungen getroffen werden („Russland ist der Agressor“), in den Donbass einzumarschieren, und dass Poroschenko wiederum auf der Münchner Sicherheitskonferenz erscheinen wird, um sich wohl Zustimmung und Rückendeckung zu holen sowie die Sprachregelung zu produzieren, unter der so eine „Operation“ dann der Öffentlichkeit verkauft wird, so verdichtet sich das Bild, und im Zusammenhang mit der gerade erst verkündeten „Nationalen Verteidigungstrategie“ des Weissen Hauses erst recht. Diese Orientierung, diese Ereignisse, diese mediale Begleitmusik verspricht nichts Gutes.

Jeder klar denkende Mensch weiss, dass es keine rationalen Gründe gibt, dass nicht wirklich eine Gefahr droht aus Russland, das ist vollkommen absurd, genauso absurd wie die Kriegslüge Hitler-Deutschlands vom Überfall auf den Sender Gleiwitz. Die wahren Hintergründe für den Drang Nazi-Deutschlands nach Osten lagen damals für jeden sichtbar auf der Hand, und genauso liegen heute die wahren Gründe für den Expansionsdrang der Nato und des diese ja benutzenden US-geführten Westens auf der Hand. Damals war es die „völkische“ Wahnsinnsidee des „Lebensraums im Osten“, den das deutsche Volk brauche, die „arische Herrenrasse“, und heute ist es der „Zugang zu Märkten und Ressourcen“, den die expansionsgierigen und stagnationsgequälten Ökonomien des Westens brauchen, bzw. vor allem deren Kapitalhalter, die verzweifelten Investoren, deren ins Absurde angewachsenen Kapitalmassen keine zufriedenstellenden Renditen mehr generieren können.

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Kapitalismus, vorübergehend

Liebe Besucher!

Es scheint inzwischen unbestreitbar, dass die Ereignisse in der Ukraine nach der Verschiebung des EU-Assoziierungsabkommens, die zu den zunächst friedlichen Protesten auf dem Kiewer Maidan geführt hatten, von Seiten EU und USA massiv gefördert und beeinflusst worden sind. Die Motive der USA liegen in einem Bereich zwischen Destabilisierung Russlands im Sinne der amerikanischen Vorherrschaftsstrategie nach Zbigniew Brzezinski, mittelfristigen wirtschaftlichen Interessen amerikanischer Energiemultis, und sogar unmittelbar persönlichen wirtschaftlichen Interessen der politischen US-Spitzenpersonals, wie das unrühmliche Beispiel Hunter Biden gezeigt hat. Wo die EU hier eigentlich reale Interessen verfolgt, bleibt da eher im Ungewissen, denn die EU wäre eigentlich mit einer im Sinne der geostrategischen Blöcke neutralen Ukraine als Mittler zwischen Ost und West, und nach wie vor guten und stabilen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Russland besser gefahren.

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Transformation der Industriegesellschaft

Dr. Ludger Eversmann: Transformation der Industriegesellschaft — Vom Maximum Spiel zum Nachhaltigkeitsspiel (PDF, 35 Seiten.)

Transformation der Industriegesellschaft