Marx, Roboter und die Fundamentalökonomie

Wenn das Wirtschaftssystem den Planeten und die Freiheit bedroht, sollte man darüber nachdenken, wie sich der „alltägliche Kommunismus“ der Fundamentalökonomie mit Hilfe der Roboter in einen weit weniger alltäglichen Kommunismus verwandeln lässt.

Der weltbekannte Jazz-Bassist Richard Bona, der in einfachsten Verhältnissen im Kamerun aufwuchs und sich auf selbstgebauten Instrumenten das Bass-Spielen beibrachte, schrieb neulich in seinem Facebook-Profil, er strebe in allen Dingen die er tue, an jedem einzelnen Tag nach Vollkommenheit. Und tatsächlich – ist es denn nicht genau das, was jeden Meister seines Fachs, sei er Künstler oder Handwerker, Wissenschaftler oder Ingenieur, auszeichnet? Ist es denn nicht immer diese dem Geist nur undeutlich und unerreichbar fern vorschwebende Idee von Vollkommenheit, die schaffende Menschen immer von neuem vorantreibt, diesem Ideal immer weiter sich anzunähern? Und das, ist es einmal in einem Werk erreicht und verwirklicht, unvergleichliche Faszination ausübt, und seinerseits für andere Menschen Ansporn darstellt, diesem Ideal nachzueifern?

Nun verbindet man mit diesem großen Wort Vollkommenheit eher dem Bereich profaner Nutzanwendungen entrückte Kunstwerke; von auf dem Markt handelbaren und industriell hergestellten Produkten erwartet man sie nicht unbedingt. Aber auch etwa die schwäbischen Mercedes-Gründer Carl Benz und Gottlieb Daimler wollten perfekte, vollkommene Autos bauen, und dem italienischen Auto-Genie Ettore Bugatti wird man vielleicht zugestehen wollen, es mit seinen erlesenen automobilen Skulpturen auch geschafft zu haben. Oder wie ist es etwa mit Möbeln, ersonnen von großen Möbel-Designern, wie den bis heute faszinierenden Schöpfungen der Bauhaus-Designer, vom weniger bekannten Charles Macintosh mit seinem bezaubernden Hill House-Stuhl bis zu den unvergessenen Namen Charles Eames, Gerrit Rietfeld, Le Corbusier oder Marcel Breuer? Oder in der Architektur? Oder vielleicht mit Fernsehgeräten, von Braun, oder auch von Sony?

Aber auch noch weit profanere Dinge können einen Grad von Perfektion erreichen, der in die entrückten Dimensionen von Vollkommenheit hineinreicht. Zum Beispiel – Software-Systeme. Software-Entwickler können ob des Anblicks von Programmcode in Verzückung geraten, und darin makellose Schönheit entdecken, Eleganz und Perfektion, und eben Vollkommenheit. Oder auch – Roboter. Oder ganze Produktionssysteme, wie etwa die „Open Integrated Factory“ von SAP, die individuelle Dinge auf Kundenanforderung herstellen kann, oder das „Roboter-Lego“ der jungen Firma Robodev, eine Art Lego-Baukasten, dessen Bausteine aus Modulen wie Klein-Robotern oder Transportsystemen bestehen, die man schnell und einfach zu flexibel verwendbaren automatischen Produktionssystemen zusammenstecken kann. Das Motto ist: „Einfach selbst automatisieren“.

Was macht ein Werk vollkommen? Die Regel form follows function war das auf den amerikanischen Architekten Louis Sullivan zurückgehende Design-Prinzip, das später vom Bauhaus übernommen wurde. Die function, die Funktionalität wiederum „bringt Normativität ins Spiel“, wie der amerikanische Philosoph John Searle formulierte; der Begriff ästhetischer oder funktionaler Vollkommenheit transportiert normative Ansprüche. Was macht nun etwa eine Software oder einen Roboter oder ein Fabrikationssystem vollkommen – offenbar die Fähigkeit, ihre Funktion auf vollkommene Weise zu erfüllen. Und worin besteht ihre Funktion vor allem und in erster Linie – wohl doch darin, Arbeit zu leisten, und so den Menschen von Arbeit zu entlasten. Das wiederum haben diese Artefakte mit allen solchen menschengemachten Dingen gemein, die Tools, Werkzeuge sind: Werkzeuge sind und waren nie etwas anderes als vorgetane Arbeit, um Arbeit einzusparen. Der Mensch ist, das wusste Marx von Benjamin Franklin, ein toolmaking animal, seit dem ersten Faustkeil, über das Rad und den Hebel, Pfeil und Bogen und Druckerpresse bis zum universal programmierbaren Automaten, und schließlich bis zur vollkommenen, vielfältigste Arten von Arbeit erledigenden und so menschliche Arbeit sparenden „smarten“ oder intelligenten Fabrik.

Insoweit ist die immer wieder von neuem mit immer neuem Elan diskutierte Frage, ob die digitalen Technologien inklusive Robotik und KI Arbeitsplätze vernichten werden, eigentlich eine nicht sehr originelle Frage. Genau dazu sind sie doch gemacht worden, Arbeit einzusparen, sonst wäre die Arbeit, die man aufgewendet hat um sie herzustellen, verschwendet. Bezogen auf die Frage nach dem Arbeitsplatz bedeutet das: wenn so ein Artefakt in einem definierten Arbeitsprozess so viel Arbeit einsparen kann, dass für den oder die diese Arbeit bisher erledigenden Menschen nicht genügend Arbeit übrig bleibt, um ihn oder sie dem Lohn entsprechend auszulasten, wird der Arbeitsplatz verloren gehen. Es sei denn, eine Firma ist großzügig und verschenkt den Lohn, was sie sich aber in den seltensten Fällen wird leisten können bzw. wollen. Bezogen auf eine ganze Ökonomie bedeutet das: wenn man vorgetane und eingesparte Arbeit saldiert, wird ein durchschnittliches Plus von einigen Prozent an Produktivitätsfortschritt dabei herauskommen, und dies nur dann, wenn ein möglicher Produktivitätsfortschritt durch sachgemäße Anwendung geschaffener arbeitssparender Technologien auch realisiert wird. Das ist nicht unbedingt der Fall, aber, wie die Geschichte seit frühester Steinzeit und insbesondere seit Start des Kapitalismus zeigt, sind Produktivitätsfortschritte wohl nicht nur ausnahmsweise erreicht worden. Seit Beginn der Industrialisierung haben sich Produktivität und Lebensstandard geradezu explosiv entwickelt.

Ist ein Produktivitätsfortschritt einmal erreicht, kann er prinzipiell auf dreierlei Weise verwendet werden: als Lohnerhöhung, als Arbeitszeitverkürzung, oder als Gewinnsteigerung des Unternehmens. Produktivitätssteigerungen bedeuten immer auch neue Spielräume zur Erweiterung des Konsums, durch verbilligte, verbesserte oder ganz neue Produkte. Solange danach Nachfrage besteht und die hinreichend attraktiven Produkte nicht plötzlich ausbleiben, kann die Wirtschaft wachsen, und tatsächlich ist dies in den wesentlichen Zügen ja der jahrhundertealte evolutionäre Prozess, der den frühindustrialisierten Gesellschaften den bis heute erreichten Lebensstandard beschert hat.

Wenn aber die Fähigkeit, durch leistungsstarke Technologien Arbeit einzusparen, die Möglichkeiten der konsumtiven Verwendung der eingesparten Arbeit dauerhaft übersteigt, weil die Ideen für die immer neue „Killerapplikation“, die sensationelle, alle Märkte stürmende, ganz neue und ganz neue Kapazitäten erfordernde Innovation ausbleibt, oder wenn andere Gründe – etwa ökologische – einem endlos weiter gesteigerten Konsum entgegenstehen, genau dann und erst dann wird im Feld der Ökonomie ziemlich vieles ziemlich anders.

Kann der Kapitalismus weiterleben? Meines Erachtens nicht.

Joseph Schumpeter, im linken Lager nicht gerade der geliebte Referenzökonom, vertrat im Gegensatz zu seinem Zeitgenossen John Maynard Keynes die Auffassung, dass der Kapitalismus nicht ewig weiterleben könne. Er werde sich gewissermaßen selbst in einen Folgezustand transformieren, den Schumpeter Sozialismus nannte. Als bedingende und auslösende Faktoren nannte Schumpeter genau diese beiden: Sättigung der Massenmärkte, und Vollkommenheit der Produktionsmittel.

Wann genau darf man nun einem so komplexen Werkzeug wie einem Produktionssystem, das Konsumgüter herstellen kann, Vollkommenheit zusprechen? Schumpeter dachte an möglichst hohe Produktivität, die ja vom Automationsgrad abhängig ist. Ist der Automationsgrad eines Arbeitsprozesses sehr hoch und geht gegen hundert Prozent, steigt die Arbeitsproduktivität der verbliebenen menschlichen Arbeiter, die in diesem Arbeitsprozess noch eine Rolle spielen, ins Unendliche. Ist eine Gesellschaft in dem Sinne reich geworden, dass sie über derart vollkommene Produktionsmittel verfügt, ist „das Problem der Ökonomie“ gelöst, wie Keynes erwartet hatte, denn die lebensnotwendigen und einen angenehmen Lebensstandard bescherenden Güter sind nicht mehr knapp. Doch obwohl das auf den ersten Blick völlig logisch und folgerichtig erscheint, hat bislang weder die Selbsttransformation des Kapitalismus stattgefunden, noch hat sich die 15-Stundenwoche durchgesetzt, und das Problem der Ökonomie scheint ungelöster denn je.

Bevor wir uns ökonomischen Fragestellungen zuwenden, bleiben wir noch einen Moment bei der Frage der Vollkommenheit der Produktionsmittel. Wie ja auch Marx wusste, träumte schon der griechische Philosoph Aristoteles von selbstbewegten, auto-matischen Werkzeugen, zum Beispiel dem berühmten Weberschiffchen, das mit dem Wissen begabt war, wie es seine Bewegungen zu steuern hätte, um ein textiles Gewebe entstehen zu lassen. Dieses Wissen ist in der modernen IT-gesteuerten Fabrik in ein Programm, also in Software gegossenes Wissen; die Fabrik ist seit dem Siegeszug von Alan Turings Universalrechner in die Fabrikhallen – man nun sagt – digitalisiert. Idealerweise ist so eine Fabrik also eine technische Apparatur, die sich durch in Software gegossenes Wissen steuern lässt, und vollkommen ist sie dann, wenn das von ihr erzeugte Produkt mit minimalem Aufwand und ohne Verschwendung von Ressourcen auto-matisch erzeugt wird, und dies möglichst genau so wie der Konstrukteur eines Produktes es erdacht hatte. Eine solche Fabrik wäre also eine vollkommene Spezialfabrik, die ein bestimmtes in einer Softwareprozedur beschriebenes Produkt fehlerfrei und mit minimalem Ressourceneinsatz herstellen kann.

Nun weiß man ja seit Turings universaler Rechenmaschine, dass die sich genau dadurch von vorherigen automatischen Rechenmaschinen unterschied, dass sie eine Universalmaschine war: sie war eben die Universale Turing-Maschine, im Gegensatz zur speziellen Turing-Maschine. Sie war in der Lage, jede spezielle, eine spezielle algorithmische Prozedur beschreibende Turing-Maschine zu „implementieren“, also zur Ausführung zu bringen. Erst das machte sie zur mächtigen Universalmaschine, die im Bereich der Berechenbarkeit jedes Problem lösen konnte, das als algorithmische Prozedur beschrieben werden konnte. Das impliziert offenbar für die normative Zuschreibung von Vollkommenheit im Falle einer Fabrikationsmaschine: auch sie müsste idealerweise in der Lage sein, jedes beliebige als berechenbare Prozedur formulierte Produktionsprogramm auzuführen. Bevor wir uns nun der Frage zuwenden, ob die industriellen Produktionsmittel vielleicht – und sogar schon lange! – auf dem Weg sind, sich in der Realität diesem Ideal anzunähern, kurz zu der Frage, ob die Verfügbarkeit in diesem Sinne idealer Produktionsmittel nicht nur die Möglichkeit darstellt, Knappheitsbedingungen zu überwinden, sondern auch die hinreichende Bedingung, kapitalistische ökonomische Verhältnisse mit dominanter Markt- und Preissteuerung zu überwinden.

Solange die Betriebe Spezialbetriebe sind, sind Märkte und Preissteuerung unverzichtbar, um die doppelte Kontingenz der anonymen anarchischen kapitalistischen Produktion zu operationalisieren: der Anbieter kennt den Nachfrager und dessen Konsumwünsche nicht, und der Nachfrager kennt den Anbieter und dessen Angebot nicht. Über möglichst transparente Märkte kann der Anbieter dem Nachfrager sein Angebot bekannt machen, und der Nachfrager kann das für ihn optimale Angebot auswählen. So entsteht die unausweichliche Marktdynamik: der Anbieter produziert unter Risiko auf Vorrat, und steht mit seinen Mitbewerbern in Konkurrenz um zahlende Kundschaft und Marktanteile.

Diese Dynamik löst sich – den Erwartungen Keynes‘ und Schumpeters zum Trotz – aber nicht auf, wenn die Märkte sich von Verkäufer- zu Käufermärkten gewandelt haben, und insofern schon lange Sättigungssymptome aufweisen. Im Gegenteil, der Kampf um Marktanteile und Gewinne wird umso härter ausgefochten; der Druck auf die Löhne genauso wie in subtilerer Form auf die Konsumenten, auch die verzichtbarsten Produkte etwa zur Steigerung des Prestiges für teures Geld einzukaufen, nimmt unaufhörlich zu, und der Umsatz wird mit den raffiniertesten und tückischsten Mitteln auf möglichst hohem Niveau gehalten.

Nun könnte man sagen: wenn die Selbsttransformation des Kapitalismus ausbleibt, dann wird nichts anderes übrig bleiben, als mit anderen Mitteln diese Transformation herbeizuführen, etwa, indem man die Steuerung der Ökonomie und der Betriebe in die öffentliche Hand übergibt, und sie von einem „Planungsministerium“ durchführen lässt, wie es Joseph Schumpeter vorschwebte. Wie immer das Problem der Überführung privaten Eigentums in öffentliche Verfügungsgewalt nun gelöst werden könnte, bliebe aber auf jeden Fall genau das Problem bestehen, das bis dato nur Märkte und freie Marktpreise lösen konnten: nämlich die Überwindung der typischen doppelten Kontingenz der Warenproduktion.

Und genau dieses Problem wäre nun in der Tat gelöst, wenn die Produktionsmittel im beschriebenen Sinne Vollkommenheit besäßen: dann wäre es eben möglich, auf die Steuerung durch die „invisible hand“ des Marktes, die genauso unsichtbar wie blind ist, zu verzichten, weil es möglich wäre, jede Konsumentennachfrage ad hoc, on demand exakt nach Kundenwunsch zu befriedigen. Der Kunde könnte sein Wunschprodukt nun in einem virtuellen Prozess auswählen, bevor es hergestellt worden ist. Die Produkte müssten nicht mehr über den Markt allokiert werden, sondern könnten etwa über eine Internet-Plattform allokiert werden, ohne Verluste an allokativer Effizienz. Und dann erst wäre es auch möglich und sinnvoll, dass diese Produktionsmittel aus der privaten gewinnwirtschaftlichen Nutzung in öffentliche Nutzung übergingen.

Wirft man nun einen Blick auf die tatsächliche Entwicklung der digitalen Fertigungstechnologien, so ist kaum übersehbar, dass die Begriffe Losgröße 1, Flexibilität, on-demand-Produktion und Automation die Vision der „Fabrik der Zukunft“ prägen. Etwa beim Projekt der „SmartFactory KL“, eines herstellerübergreifenden Vereins zur Entwicklung einer visionären Modellfabrik, die die Potenziale von Automatisierungstechnik und Informationstechnik in einem funktionsfähigen Modell sichtbar machen soll, dreht sich alles um die Begriffe Modularität, Flexibilität und Losgröße 1. Die „Smart Factory“ soll idealerweise eine „Blackbox“ sein, die mit „Daten“, also den zu einem Produkt gehörenden CAD- und Prozessdaten, gefüttert wird, und die daraus ganz im Verborgenen und möglichst in Windeseile das gewünschte Ding produziert. Und diese Fabrik wäre in der Tat schon fast universal programmierbar. So trennt sich die eigentliche Fertigung auch mehr und mehr von einem speziellen Produkt und einem speziellen Markenfertiger; es gibt bereits Anbieter von „smart factories as a service“, als Dienstleistung, auf welche Markenhersteller nach Bedarf zugreifen können – was sie von der Notwendigkeit, eigene Fertigungskapazitäten vorhalten zu müssen, tendenziell befreit.

Haben Fertigungsprozesse in diesem Sinne hinreichende Vollkommenheit erreicht, kommt es gewissermaßen zum geschichtlichen Durchbrechen der Schallmauer, zur „Singularität“: dann macht es keinen Sinn mehr, dass private gewinngetriebene Unternehmen diese Services anbieten, die dabei immer auch der kapitalistischen Dynamik ausgesetzt sind und einerseits wachsen müssen, andererseits der Begierde des nach Investitionsmöglichkeiten gierenden Großkapitals ausgesetzt sind. Dann könnte sich die Gesellschaft der Bürger, die ihre Konsummöglichkeiten Pareto-optimal gestalten wollen, selbst eine entsprechende industrielle Infrastruktur aufbauen, die dieses gewährleistet. Das Ende des Kapitalismus würde gewissermaßen darin bestehen, dass die Gesellschaft sich „Dinge-Automaten“ installiert, die nach Wunsch und auf Anforderung Konsumgüter produzieren. Zum ersten Mal in der Geschichte würden diese Dinge-Automaten keinen Tauschwert mehr produzieren, sondern nur noch Gebrauchswert. Ihr Ziel wäre nicht die endlose Vermehrung von Kapitalgewinnen, sondern die endliche Befriedigung von – rationalen – Konsumwünschen.

Fundamentalökonomie

Wolfgang Streeck beschreibt in seiner Einleitung zur „Ökonomie des Alltagslebens“ fundamentalökonomische Infrastrukturen als den „alltäglichen Kommunismus“, der „unseren alltäglichen Kapitalismus erst ermöglicht“. Fundamentalökonomische Infrastrukturen sind langfristige Investitionen mit geringen Renditen, „die jedoch durch ein geringes Risiko – und natürlich durch ihren allgemeinen, der Gesellschaft frei zur Verfügung gestellten Wert – aufgewogen werden.“

Genauso verhielte es sich mit industriellen Infrastrukturen, die nun nicht nur Wasser, Energie, Mobilität, Gesundheit, Bildung, Wohnen, Pflege und Telekommunikation produzieren, sondern auch: Konsumgüter, jedenfalls solche, die man zu einem Grundbedarf zählen kann. Die Rendite wäre – als Kapitalertrag – nicht nur gering, sondern null. Der Ertrag bestünde ausschließlich aus dem „allgemeinen, der Gesellschaft frei zur Verfügung gestellten Wert“. Aus dem alltäglichen Kommunismus wäre ein etwas weniger alltäglicher Kommunismus geworden, mit einer aber schon deutlich erkennbaren Tendenz zum absolut nicht mehr alltäglichen Kommunismus: denn so könnte es langsam entstehen – „das Einfache, das schwer zu machen ist“. Die Arbeit – unter diesen Bedingungen nur noch notwendig, um Dinge und Dienstleistungen zu konsumieren, die der alltägliche Kommunismus nicht produzieren kann – wäre in genau diesem Umfang optional geworden, und die kapitalistische Profitwirtschaft wäre aus dem Bereich der Fundamentalökonomie vertrieben. Der gesellschaftliche Reichtum – Marx‘ wirklicher Reichtum – würde in genau dem Maße wachsen.

Dieser Argumentation folgend würde es in Zukunft also darauf ankommen, nicht nur die kollektiv-gemeinwirtschaftliche Grundlage der Gesellschaft vor den Imperativen der Kapitalverwertung zu schützen, sondern im Gegenteil die kollektiv-gemeinwirtschaftliche Grundlage in den Bereich der Konsumgüterproduktion hinein auszudehnen. Und dies wird nicht möglich sein ohne Roboter und menschenleere, „smarte“, leistungsfähige Fabriken. Was spricht auch dagegen? Wer heute die menschenleere Fabrik für ein Schreckgespenst hält, denkt konservativer als die konservativsten Kapitalisten. Für Marx war gerade die Menschen versklavende und demütigende Fabrik das Schreckgespenst, und es war seine Hoffnung, dass kluge Wirtschaftsplanung und ausgefeilte Technologien den Menschen eines Tages ein erfülltes Leben außerhalb der Fabrikmauern ermöglichen werde. Der Atem der gesellschaftspolitischen Gestaltung und der Blick müssen weit genug sein, einen Wandel zu überblicken und gestalterisch zu bewältigen, der den langfristigen Abbau von Arbeitsplätzen in der Industrieproduktion einschließt, ohne die betroffenen Menschen im Regen stehen zu lassen, und ihnen dazu eine attraktive – ja weit attraktivere – Alternative zu bieten.

Geschichtlicher und technischer Fortschritt verlangen Klügeres als das Festhalten am industriellen Arbeitsplatz, der keine andere Legitimation besitzt als die, dass man sich nichts anderes vorstellen kann. Dies hat auch nicht nur nationalökonomische Relevanz. Die Smart Factory, die wie der Computer zum internationalen Standard geworden ist, kann den internationalen Wirtschaftsverkehr revolutionieren: Statt des gegenseitigen Überschüttens mit Exporten von fertig produzierten Produkten können die CAD-Daten immateriell durch Datenleitungen fließen, um am Ort des Konsums in Produkte verwandelt zu werden. Staaten können ihre Kapazitäten zu weltweiten Produktionsnetzwerken zusammenschließen. Ziel ist dann aber nicht mehr die Maximierung der Kapitalrendite, sondern eben der der Gesellschaft zur Verfügung gestellte (Gebrauchs-)Wert.

Die Gesellschaften haben heute die Greta-Frage zu beantworten: wie hältst Du’s mit dem Wirtschaftswachstum? Nicht erst das brennende Amazonasbecken zeigt: infinites Wirtschaftswachstum ist längst nicht mehr wohlstandserweiternd, sondern schafft statt blühender Landschaften verkohlte todbringende Wüsten. Es wäre eine gute Idee, diese Möglichkeiten, die der Kapitalismus am Ende seiner fruchtbaren Tage der Nachwelt hinterlässt, zu entdecken und im Sinne einer nachhaltigen und erstrebenswerten Zukunft zu nutzen. Allerdings: Renditejäger werden enttäuscht sein. Es geht eigentlich nur um den höheren Lohn und den Wert des Erhalts dieses unseres einzigen Planeten.

Mehr Licht für die klare lichte Zukunft

Paul Mason hat nun ein Buch geschrieben, das in die Zeit zu passen scheint. Jedenfalls erheblich besser als sein „Postkapitalismus“ (2016 in der deutschen Übersetzung erschienen). Bisher sind seine Kritiken handzahm und eher positiv, und der ganze Zeitgeist scheint im Moment ja nach links zu fliegen. Ein Youtuber, der „die CDU zerstören“ will, erhält Millionen Views in drei Tagen und findet Eingang in die Spalten der etablierten Medienwelt, und nach einer Gallup-Umfrage aus April würden 43 Prozent der Amerikaner „irgendeine Form von Sozialismus“ für eine gute Sache halten.
„Mehr Licht für die klare lichte Zukunft“ weiterlesen

Von den Moden zum Trend

Auf der Tagung Wirtschaftsinformatik ’95 hielt der Begründer des Studienfaches Wirtschaftsinformatik in Deutschland, Professor Peter Mertens, seinen Hauptvortrag „Wirtschaftsinformatik – Von den Moden zum Trend“. Es tat dies in der Absicht, seiner jungen Wissenschaft ihre „langfristigen“ und im Zeitverlauf unveränderlichen, bleibenden Ziele zu weisen.

Er begründete dies so: „Idealerweise würde sich eine Disziplin auf einem geraden Fortschrittspfad in Richtung eines (…) Langfristzieles bewegen.“ Mäandernde Entwicklungen, die einem Trial-and-Error-Pfad folgen, seien also zu vermeiden. Dann stellt er fest, dass es in der Wirtschaftsinformatik seiner Zeit zu mäandernden Entwicklungen gekommen war; die Wissenschaft war also kurzfristigen „Moden“ gefolgt, und hatte dadurch Zeit und Ressourcen verschwendet.

„Von den Moden zum Trend“ weiterlesen

Transformation der Industriegesellschaft – FABRICA St. Pauli

Es war für die Veranstalter und alle Beteiligten eine erfolgreiche und mit viel Freude verbundene Aktion, die den vielen Teilnehmern das aussergewöhnliche Erfolgserlebnis verschafft hat, mit eigenen Händen ein rundherum funktionsfähiges Handy zu bauen! Darüber hinaus ging es darum sichtbar zu machen, dass die Fabriken ihr Aussehen und ihre Funktion verändern werden: Konsumieren und Produzieren kommen näher zusammen, und die „Produktionsmittel“ werden so klein und so billig, dass sie sich fast jeder selber leisten kann.

Hier die Folien meines Vortrages, der damals vermutlich zuviel Stoff enthielt, um in der kurzen Zeit dargeboten und verstanden zu werden. Interessant aber auch, wie sehr des Thema der 3. Industriellen Revolution inzwischen aus der öffentlichen Debatte wieder verschwunden ist. Ob da jemand ein wenig nachgeholfen hat? Wenn die Konsumenten im Haushalt zu viel selbst produzieren, kann die Industrie natürlich nicht viel verdienen.

Transformation der Industriegesellschaft

Kapitalismus, vorübergehend

Liebe Besucher!

Es scheint inzwischen unbestreitbar, dass die Ereignisse in der Ukraine nach der Verschiebung des EU-Assoziierungsabkommens, die zu den zunächst friedlichen Protesten auf dem Kiewer Maidan geführt hatten, von Seiten EU und USA massiv gefördert und beeinflusst worden sind. Die Motive der USA liegen in einem Bereich zwischen Destabilisierung Russlands im Sinne der amerikanischen Vorherrschaftsstrategie nach Zbigniew Brzezinski, mittelfristigen wirtschaftlichen Interessen amerikanischer Energiemultis, und sogar unmittelbar persönlichen wirtschaftlichen Interessen der politischen US-Spitzenpersonals, wie das unrühmliche Beispiel Hunter Biden gezeigt hat. Wo die EU hier eigentlich reale Interessen verfolgt, bleibt da eher im Ungewissen, denn die EU wäre eigentlich mit einer im Sinne der geostrategischen Blöcke neutralen Ukraine als Mittler zwischen Ost und West, und nach wie vor guten und stabilen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Russland besser gefahren.

„Kapitalismus, vorübergehend“ weiterlesen

CeBIT 2014

Bald ist wieder die CeBIT fällig, 10. – 14. März, Hannover.

Eines der grossen Themen wird Industrie 4.0 sein, und ein Keynote-Speaker dazu August-Wilhelm Scheer, einer der früheren „Päbste“ der deutschen Wirtschaftsinformatik. Während es in den meisten Fällen so war, dass die Wissenschaft vom Vorzeigeunternehmen der deutschen Informatik SAP gelernt hat, darf Scheer sich rühmen, zur Gestaltung des riesigen SAP-Softwarepakets einige wichtige Impulse geliefert zu haben, zum Beispiel sein ARIS-Tool zur Prozessgestaltung und -dokumentation.

Scheer war mir immer auch deshalb sympathisch, weil er auch Musiker ist. Er geht – als Milliarden schwerer Unternehmer und wissenschaftliche Koryphäe – mit professionellen Musikern auf Tournee, stellt sich in kleinen Not leidenden Jazzklubs vor das Publikum, und bläst die Backen auf… er spielt Saxophon (unter uns gesagt: man hört schon dass er kein Profi ist..). Aber diese Leidenschaft für eine Sache, um ihrer selbst willen, finde ich beeindruckend.

„CeBIT 2014“ weiterlesen

Common Stadtwerke für (fast) alles

Im April-Heft der Technology Review (2012) gab es einen Schwerpunkt zum Thema Rapid Manufacturing oder Additive Manufacturing, wie man nun wohl häufiger sagt. Sehr schöner Überblick über das, was inzwischen schon so alles geht – Lichtgedichte vom Laser z. B. gefällt mir so gut! – und was grad in der Pipeline ist, und auf die Perspektiven dieser Technik, also: wo sind die Nadelöhre, wo sind die Herausforderungen. Als wichtige Herausforderung wird unter anderem wohl die Schnittstelle zwischen Mensch – als Konsument in der Rolle des Produzenten, des Produkt-Entwicklers – und Maschine gesehen. Es ist ja so bei der Additiven Fertigung, dass zunächst dieses STL-File erstellt werden muss, also der maschinenlesbare Entwurf dessen, was man herstellen will. Und das ist ja ein enorm anspruchsvoller Vorgang, man muss über all das genauestens Bescheid wissen, die konstruktiven Eigenheiten und Anforderungen, die Beschaffenheit des Materials, erforderliche Festigkeit, Biegsamkeit, Belastbarkeit… lauter Dinge von denen man keine Ahnung hat und haben muss, wenn man in ein Geschäft geht und sich etwas kauft, beispielsweise einen Laufschuh, zum Rennen. Nun können natürlich solche Entwürfe gewissermassen vorgefertigt werden und irgendwo abgelegt, wo man sie sich dann herunterlädt und dann ein wenig – oder ein wenig mehr – “editieren” kann, also an die eigenen Wünsche, Vorstellungen und Bedürfnisse – etwa die Form der Füsse, wenn es sich um Schuhe handelt – anpassen.

Frank T. Piller, Professor an der RWTH Aachen und einer der weltweiten Vordenker der “Mass Customization”, sieht in der “Gestaltung des Lösungsraumes” eine der zentralen Herausforderungen, die bewältigt werden müssen, um diese Technik wirklich in der Breite nutzbar und erfolgversprechend werden zu lassen. Man muss Möglichkeiten finden, dem Nutzer einerseits dieses Meer der Möglichkeiten vor Augen zu führen, das ihm mit dieser Technik zur Verfügung steht, andererseits darf er darin aber auch nicht ertrinken! Er muss auch erkennen können, wo die Grenzen der Möglichkeiten sind; die physischen oder physikalischen Anforderungen des Entwurfs oder seines Wunsch-Designs muss so eine interaktive Lösung also einerseits “kennen”, das Wissen muss also darin implementiert sein, andererseits muss sie es dem Nutzer anschaulich darstellen und erkennbar machen können. Wahrhaftig eine Herausforderung an das Software-Engineering! Beispielsweise müsste er seinen Entwurf in der geplanten Funktion simulieren können, es muss ihn also nicht nur vor sich sehen, sondern ihn auch in “Action” erleben können, und mögliche Schwächen im Entwurf entdecken und behebn können… gewaltig.

Ein weiteres ganz wichtiges Element des Additive Manufacturung sind natürlich die Materialien, die Baustoffe… Hier wird gegenwärtig offenbar ebenso intensiv geforscht wie an den Verfahren selber; zum Teil ist es ja auch so dass die Materialien bestimmte Verfahren auch erzwingen, das muss also aufeinander abgestimmt sein. In dem Heft wird zum Beispiel beschrieben, wie ein bestimmtes Stahlpulver auf eine ganz bestimmte Weise beim Laser-Sintern behandelt werden muss, nämlich so dass der Laser in einem 67°-Winkel auf das Pulver auftrifft – weil dadurch bestimmte Eigenschaften erzielt werden können, wie zum Beispiel die erwünschte Härte und Festigkeit, aber ohne Verlust der Elastizität.

Aber doch, trotz aller speziellen Schwierigkeiten und der großen Varianz der gegenwärtig verfügbaren Maschinen, Materialien und Verfahren: wie das auch in diesem Heft vorhandene Interwiew mit Neil Gershenfeld, dem “Vater” der FabLabs in der ganzen Welt und einem der Pioniere der “Personal Fabrication”, handelt es sich im Prinzip um Variationen der “digitalen Fabrikation”, um “Universal Desktop Fabrication”, wie ein wissenschaftlicher Artikel zu dem Forschungsgebiet überschrieben ist. Und das bedeutet nichts anderes als: prinzipielle Universalisierung, und damit prinzipielle Homogenisierung der Verfahren, der Maschinen, und der Materialien, und – nahezu grenzenlose – Individualisierung erst im Produkt: werkzeuglose, vollmaschinelle Fertigung in der Losgrösse 1.

Während nun viele Autoren hier bei der theoretischen Basisforschung zur Additiven Fertigung davon ausgehen, dass es sich bei diesem Prozess tatsächlich um “Addition” von kleinsten und allerkleinsten Bauteilen handelt, die “selber” dazu keinen aktiven Beitrag leisten, forscht Gershenfeld an Materialien, die “intelligent” sind, die also Logik und maschinelle Intelligenz beherbergen, mit dem Ziel, eines Tages sich selbst zu einem grösseren Ganzen formende Materialien zu besitzen, die – analog der biologischen organischen Zelle – wachsen und auf diese Weise Dinge “fabrizieren” können. Gershenfeld rechnet innerhalb der nächsten 20 Jahre damit, in diesem Sinne digitale Materialien verfügbar zu haben.

So oder so: es handelt sich in beiden Fällen um “digitale Fabrikation”, was eben auch bedeutet, mit diskreten und universalen Einheiten oder Grundbausteinen zu operieren, und hier sieht Gershenfeld “so eine Art Mikro-Lego” am Horizont seiner Forscher-Träume, also Bausteine, die universal verwendbar sind und sich zu beliebigen Dingen – “almost anything” – zusammensetzen lassen. Und nicht nur das – ebenso auch wieder auseinandernehmen lassen, das Material bleibt als solches also – wie das Vorbild Lego-Stein – für weitere Verwendungen verfügbar, was ja mit Blick auf ökologische Erfordernisse ja mit einem Schlag all diese Probleme mit der Umweltmüll, genauso wie Ressourcenknappheit erledigen würde…man mag ja kaum so recht gleich dran glauben, zu schön um wahr zu sein, sagt hier die skeptische innere Stimme der Vernunft. Man wird sehen.

Festhalten können wir allerdings: die zentralen Prinzipien sind 1) Universalität, und 2) Homogenität. An was erinnert uns das denn nun?

In diesem gleichen Heft der Technolgy Review gibt es ein “historisches Gespräch”, ein fiktives Interview mit Oskar von Miller, einem Ingenieur, der zwischen 1855 und 1934 in München gelebt hat und dessen bleibender Verdienst darin besteht, die Elektrifizierung in Deutschland vorangetrieben zu haben. Es ist wahrhaftig interessant sich das noch einmal vor Augen zu führen, dass die Menschen ja damals von den Vorteilen der Elektrizität überzeugt werden mussten; dass man damals bei Elektrizität nur an das Licht dachte, und Oskar von Miller Überzeugungsarbeit leisten musste, um klar zu machen, dass sich ja auch Elektromotoren so betreiben lassen… und dass die Elektrizität damals in Hinterhöfen von kleinen Generatoren, angetrieben von Dampfmaschinen, erzeugt wurde. Oskar von Schwemmer hat die Grundlagen dafür gelegt, dass die Elektrizität zentral in Kraftwerken erzeugt und von da über Leitungen in die Haushalte verteilt worden ist. Erst so war es möglich, die Elektrizität und ihre Nutzung zu einem festen Kulturbestandteil werden zu lassen, zu einer festen und kalkulierbaren Größe, auf die sich all die zahllosen Erfindungen und Innovationen stützen konnten, die als Energiequelle die jederzeitige Verfügbarkeit elektrischer Energie voraussetzen.

Wegen der enormen Wichtigkeit dieser Energiequelle und der Wichtigkeit der Tatsache, dass sie auch zuverlässig und jederzeit in der erforderlichen Menge verfügbar ist, für private Haushalte ebenso wie für die Industrie, hat man die Erzeugung der elektrischen Energie lange Zeit nicht dem Spiel der Marktkräfte überlassen. Kraftwerke zur Energieerzeugung waren lange in öffentlichem Besitz, sie waren eine wichtige Aufgabe der kommunalen Stadtwerke, bis der Privatisierungswahn die politischen Gestalter in die ideologische Verblendung trieb, und sie die Energieerzeugung privater Gewinnsucht in die Hände gaben. Möglich und sinnvoll, die Energieerzeugung in öffentlicher Regie zu betreiben war es deshalb, weil es sich bei der Elektrizität um ein vollkommen homogenes Gut handelt, und eben um ein sehr wichtiges und basales. Elektrizität kommt für jeden Verbraucher vollkommen gleichartig aus der Steckdose, vollkommen ununterscheidbar, und einen “Yellow Strom” hat erst die Gewinnsucht privater Energieerzeuger erfunden, die sich von so einer Phantasie-Benamung erhofften, die Verbraucher zu blenden und ihnen vorzumachen es handle sich um einen irgendwie anderen oder besseren Strom, der darum auch ein bischen teurer sein darf.

Digitale Fertigung macht Konsumgüter ebenfalls zu einem homogenen Gut. Ob in der digital gesteuerten Industriefabrik, der Industrie 4.0, oder im privaten Haushalt der ferneren Zukunft: Bezogen wird gewissermaßen abstrakte Fertigungsleistung, die Beschreibung von Produkten aus Daten: zu welchem Konsumgut die sich in der Digitalfabrik oder sogar beim Konsumenten in dessen Haushalt formen, ist vollkommen in dessen Ermessen gestellt. Der Besitzer einen digitalen Fabrik, der dann auch der Konsument sein kann, bekommt nur die “Bits und Bytes”, und ein universaler “Additiver Fabricator” oder eine komplexe Digialfabrik baut aus diesen Bits und Bytes das Konsumgut zusammen.

So wäre das im Prinzip. Da aber ersichtlich – das sagt auch schon der Blick auf den gegenwärtig erreichten State of the Art in dieser Branche – die Entwicklung noch sehr lange dauern wird, bis es wirklich universale und kleine und selbstreplizierende und allgemein verfügbare Fabrikatoren für “allmost anything” geben wird, wird es zunächst verschiedene Spezial-Fabrikatoren geben, Spezialisten für unterschiedliche Größen der Bauteile, unterschiedliche Materialien, unterschiedliche Baugeschwindigkeiten, Komplexitäten etc etc, so wie es im Laufe der Geschichte der Computer auch sehr unterscheidliche Rechnermodelle mit verschiedenen Anwendungsschwerpunkten gab, obwohl der Computer an sich die universalste Maschine ist, die man sich überhaupt denken kann.

Und diese unterschiedlichen Maschinen, all das was dazu gehört sie zu betreiben, fachkundige Menschen sicher auch, die Software, die Kapazitätsplanung, also sozusagen eine Fabrikatoren-Fabrik, eine geballte Ansammlung von universaler Fabrikations-Kapazität: all das sollte sich eines schönen Tages in öffentlichem Besitz befinden, vielleicht – wie die Stadtwerke – auf kommunaler Ebene, und ermöglichen, dass die Menschen ebenso wie früher auf die Stromerzeugung auf diese Produktionskapazität zugreifen können und sich darauf verlassen, dass sie verfügbar ist, und das alles dann zu einer angemessen Kostenbeteiligung, von der man annehmen kann, dass sie so sein wird, dass sich die Versorgung mit Konsumgütern auf diese Weise insgesamt drastisch verbilligen wird.

Die durch das Internet gegebenen Möglichkeiten, aktiv an der Entwicklung von Produkten und Verfahren, von Materialien und Entwürfen mitzuwirken, ist ja dadurch nicht behindert, im Gegenteil lassen sich diese Möglichkeiten so erst umfassend ausarbeiten und institutionalisieren.

Jedenfalls kommt es darauf an, die Produktion von Konsumgütern in öffentlichen Besitz zu verlagern und zu übertragen, denn das Spiel der Marktkräfte ist zu unberechenbar und zu unzuverlässig geworden, als dass dies zu einer sicheren und planbaren Lebensgestaltung auf lange Sicht noch die Basis sein könnte. Wir müssen uns verlässlichere Grundlagen der Existenzsicherung schaffen. Die Märkte werden in Zeiten hoher Marktsättigung zu volatil, die Bedarfe sind zu grossem Teil Luxuskonsum geworden, der ohne weiteres aufschiebbar ist, wenn sich am Konjunkturhimmel Wolken zeigen, so wie in der Gegenwart schon wieder einmal. Und dann kontrahiert die Wirtschaftstätigkeit, die Umsätze gehen zurück, und all die vielen gering beschäftigten und schlecht bezahlten Menschen, deren Konsum keineswegs aufschiebbar und Luxuskonsum geworden ist, müssen darunter leiden.

Commons und Open Source sind in der Gegenwart gewissermassen die Spielwiese, auf der diese Prinzipien erprobt werden können, nach denen später einmal Wirtschaftsprozesse gestaltet sein werden. Aber wir werden diese Prinzipien institutionalisieren müssen und in die politischen Verfassungen und die öffentlichen Grundgerüste der Existenzsicherung einkonstruieren und einbauen.

Dann können wir unter Umständen besseren Zeiten entgegensehen.